HSV-FaClub Matz ab

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Fortune gegen Fortuna?

Das Volksparkstadion könnte erstmals seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie am Wochenende wieder richtig voll werden. Der Hamburger SV hat für das Topspiel in der 2. Fußball-Bundesliga gegen Fortuna Düsseldorf (Samstag, 20.30 Uhr/Sport1 und Sky) bereits mehr als 30.000 Tickets verkauft. Da ausschließlich Geimpfte und Genesene Zutritt zum Stadion haben werden, entfallen die Abstandsregeln und die Maskenpflicht, zudem wird unter anderem der untere Rang auf der Nordtribüne wieder zu einem Stehplatzbereich. Auch Alkohol darf wieder ausgeschenkt werden. Es ist also alles angerichtet, um wiedermal einen Heimsieg zu feiern, wenn nicht noch der desaströse Auftritt in Aue noch nachwirken würde und zumindest für mich der Club aus Düsseldorf die Wundertüte der 2. Liga wäre.

Für viele so auch für mich verpflichtete die Fortuna im Sommer den im Profibereich unerfahrenen Christian Preußner, der zuvor mit der 2. Mannschaft des SC Freiburg den Aufstieg in die 3. Liga geschafft hatte. Mit ihm versprach man sich in Düsseldorf einen Neuanfang mit mutigen Angriffsfussball. Die anfängliche Euphorie scheint angesichts des augenblicklichen Ranges 12 mit nur elf Punkten dahin zu sein, zumal alle vier Pflichtspielsiege auf fremden Plätzen geholt wurden und in der eigenen Arena mal gerade zwei mickrige Punkte aus vier Heimspielen gelang. Nach dem Motto: daheim Abstiegskampf, auswärts Aufstiegskanditat.

Qualitativ ist der Kader eigentlich so gut bestückt, dass die sportlichen Ziele oben mitzuspielen keine Utopie sind. Was allerdings auffällt, dass der Club wie zuletzt bei dem 2 : 3 gegen den SC Paderborn attraktiven Fussball mit hohem Unterhaltungswert bietet, dabei aber individuell und als Mannschaft doch häufig naiv und wild agiert und somit dem Gegner zu viele Torchancen einlädt. Schon gegen den HSV will man es besser machen. 


Ein wesentlicher Faktor soll dabei Kahled Narey sein, der letzte Saison noch das Trikot vom HSV trug.  Beim HSV nicht mehr gewollt, unterschrieb er wenige Tage nach seiner Vertragsauflösung - versüßt mit 350 000 Euro Abfindung- bei der Fortuna bis 2023, wo er sich nach anfänglichen Schwierigkeiten bei der Fortuna zur absoluten Stammkraft entwickelt hat. Von Spieltag vier an nämlich ist der extrem variable Flügelspieler bei Trainer Christian Preußner gesetzt. Aktuell darf man Narey sogar ohne jede Übertreibung als Mann der Stunde bezeichnen, denn beim 2:1-Erfolg in Ingolstadt war er nicht nur wegen seiner beiden Torerfolge bester Düsseldorfer.


Während der Club aus Düsseldorf in der Länderspielpause Akteuren aus der zweiten Reihe zu Spielpraxis gegen Preußen Espelkamp aus der Westfalenliga  (0 : 6 ) verhalf, griff man beim HSV mit dem CL-Teilnehmer VFL Wolfsburg schon ein paar Regale höher, um dort  zu der Erkenntnis zu gelangen, dass da nicht nur erhebliche qualitative Unterschiede auf dem Papier sondern auch auf dem Rasen bestehen und  der zweite Anzug nicht passt.

Wurde der misslungene Test noch relativ moderat begleitet, gab es nach dem blamablen Auftritt in Aue heftige verbale Ohrfeigen für die Protagonisten vom Volkspark bzw. von der Sylvesterallee. Während „ Uns Uwe „ sich mal wieder große Sorgen um seinen HSV machte, schossen Aaron Hunt, Heiko Westermann und Peter Neururer diverse Giftpfeile in Richtung Hamburg. Auch die „ Haus - und Hofpresse“ vom HSV legte den Finger in die Wunde - fehlende qualitative Kaderbreite und sowie mangelnde Qualität im offensiven Mittelfeld und dem Flügel wurde angeprangert. Diese in Teilbereichen vermeintliche misslungene Transferpolitik kann man wohl Jonas Boldt anlasten, der zu guter Letzt in dem Podcast mit dem Kicker die gewagte These aufstellte, dass Bochum und Fürth nur durch die Pandemie aufgestiegen sind. Der zu erwartende Shit-Storm in den sozialen Medien ließ dann auch nicht lange auf sich warten.

Reaktionen von den Bossen auf die Kritiken waren zumindest bisher nicht zu vernehmen. Folglich wenden wir uns der Begegnung am Samstagabend zu, bei der man sehen wird, inwieweit das Aue-Spiel nicht mehr in den Trikots hängt.   

Tim Walter und seine Mannschaft sind sich bewusst, dass sie gegen die Fortuna liefern müssen, wenn sie nicht in den Niederungen der 2. Liga mit Ausschlägen nach oben oder unten verweilen wollen. Walter - bisher kein Freund großer Veränderungen ( ligaweit die wenigsten Spieler eingesetzt ) - wird wohl mit der bisherigen Stammformation beginnen, wobei er lediglich auf der Außenbahn sich zwischen den beiden formschwachen Wintzheimer und Jatta entscheiden muss.

Wirklich dominant und über jeden Zweifel erhaben, hat der HSV in dieser Spielzeit bislang noch kein Spiel über die neunzig Minuten absolviert. Jeweils eine gute Stunde bei den Auswärtsspielen in Gelsenkirchen und in Bremen reichten für zwei der bisherigen drei Saisonsiege. Folglich wünsche ich mir am Samstag eine über die ganze Spielzeit konstante zumindest ansprechende Leistung und natürlich 3 Punkte.

Für die Statistiker:

Von insgesamt 25 heimischen Partien gegen Fortuna Düsseldorf konnte der HSV 18 für sich entscheiden. Drei Partien endeten Unentschieden und nur vier Spiele wurden verloren.